Coaching Kitaverpflegung

Kleines Mädchen mit Zöpfen hält Gabel in der Hand und isst Gemüse

© Thinkstock

Das Coaching unterstützt Kitas dabei, ihre Mittagsverpflegung gesund und qualitätsbewusst zu gestalten.

Was und wie Kinder essen und trinken, beeinflusst ihre Gesundheit, ihr Wohlbefinden und Ernährungsverhalten. Die Kitaverpflegung leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Sie kann Vorbild für eine gesunde Ernährung sein, die gut schmeckt, nachhaltig und ökonomisch ist. Immer mehr Kitas wollen ihr Mittagessen entsprechend gestalten. Die Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Oberfpalz unterstützt sie dabei mit dem Coaching Kitaverpflegung.

Coaching 2018/19 in der Oberpfalz

In gemeinsamen Veranstaltungen erhalten die Teilnehmer Ideen und Anregungen, um die Bayerischen Leitlinien Kitaverpflegung umzusetzen – von der Gestaltung der Speisepläne nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) bis hin zu mehr Nachhaltigkeit. Zusätzlich begleiten Coaches die Einrichtungen ein Kitajahr lang vor Ort - gemäß dem Motto:
"Individuelles Coaching führt zu kreativen Lösungswegen."
Das Coaching startet im September 2018 und endet im Juli 2019.

Kinderkrippe "Kleine Wichtel", Kindergarten "Stadtwichtel", Cham

"Kleine Wichtel", Kindergarten "Stadtwichtel", Cham
Die Kinderkrippe "Kleine Wichtel" und der Kindergarten "Stadtwichtel" sind private Einrichtungen und ganztägig geöffnet. Die Kinderkrippe betreut 12, der Kindergarten 17 Kinder. Beide Einrichtungen sind örtlich getrennt - die "Stadtwichtel" sind im Herzen von Cham, die "Kleinen Wichtel" im Stadtteil Cham-Altenstadt. Täglich werden ein warmes Mittagessen, ein Frühstück und eine Brotzeit frisch zubereitet und angeboten.

www.kinderkrippe-kleine-wichtel.de Externer Link

Herausforderungen

  • Das Thema der Verpflegung soll zu einem festen Bestandteil der Kommunikation nach innen und außen werden. Dies soll schriftlich in der Konzeption verankert werden.
  • In der Einrichtung wird frisch gekocht. Hier besteht die Herausforderung in der Optimierung der Abläufe, d. h. es geht um Einkaufs- und Organisationsprozesse, die es zu überprüfen gilt, um eine gesundheitsförderliche Ernährung der Kinder sowie eine Entlastung des Personals langfristig sicherzustellen.
  • Zusätzlich sollen Rezepturen an die Empfehlungen der DGE angepasst und, vor dem Hintergrund der Ablaufoptimierung und Planungssicherheit, ein Rollierspeiseplan eingeführt werden.

Kindergarten am Märchenbrunnen, Regenstauf

Kindergarten am Märchenbrunnen, Regenstauf
30 pädagogische Fachkräften betreuen rund 180 Kinder in acht Gruppen. Seit September 2016 wird in Einzelintegration und Integrativgruppen mit behinderten oder von Behinderung bedrohten Kindern gearbeitet. "Zusammen – wachsen", unter diesem Leitsatz steht die pädagogische Arbeit.
Betreuung gibt es von 6.30 bis 16.30 Uhr mit Früh- und Spätdienstzeiten. Ein warmes, abwechslungsreiches Mittagessen ist in allen Gruppen ein fester Bestandteil des Tagesablaufes.

Website des Kindergartens Externer Link

Ziele

  • Damit sowohl die Kinder als auch die Erzieherinnen entspannt essen können, soll der Lärm während des Mittagessens reduziert werden.
  • Um den Kindern eine gesundheitsförderliche Mittagsverpflegung zu gewährleisten, müssen der Anteil der vegetarischen Gerichte sowie die Anzahl der Fischgerichte angepasst werden.
  • Neue Maßnahmen sollen die Akzeptanz von bekannten und unbekannten Lebensmittel bei den Kindern erhöhen und fördern.
  • Als Einrichtung eines öffentlichen Trägers ist es notwendig, die Mittagsverpflegung EU-weit auszuschreiben. Das Coaching soll helfen, die Ausschreibungsunterlagen in Kooperation mit dem Träger zu erstellen.

Ergebnisse

  • Zur Reduzierung des Lärms wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
    • Einführung von neuen Ritualen - u. a. Trennung von Rede- und Schweigephasen während des Essens
    • Einsatz einer "Lärmampel": Grün heißt, alles ist prima! Die Lautstärke ist in Ordnung. Bei Rot werden die Kinder auf die Ampel aufmerksam gemacht und ermutigt, wieder etwas leiser zu sein.
    • Ausstattung der Tische mit passgenauem Linoleum zur Reduzierung der Essensgeräusche
  • Mit Hilfe des Werkzeugs "Speiseplan-Check" werden die Menükomponenten beim Speisenanbieter nun so bestellt, dass die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in Kindertagesstätten eingehalten werden können. Optimierungen im Angebot wurden erreicht in Bezug auf die Erhöhung des Vollkornanteils, der vegetarischen Gerichte und des Obstanteils.
  • Hilfreich war in diesem Zusammenhang auch die enge und konstruktive Zusammenarbeit mit dem Speisenanbieter. Das pädagogische Personal besuchte die Produktionsstätte des Speisenanbieters und arbeitete ein Kommunikationskonzept mit ihm aus. Diese Maßnahmen trugen dazu bei, dass der Austausch untereinander gefördert sowie das Verständnis füreinander gestärkt wurde.
  • Durchgeführte Kochaktionen mit dem Speisenanbieter im Kindergarten machten nicht nur den Kindern großen Spaß, sondern sorgten auch dafür, dass die Akzeptanz für bekannte und unbekannte Lebensmittel gesteigert werden konnte. Zudem werden die Kinder regelmäßig zu einem Probierhappen ermutigt.
  • Die Erstellung von Ausschreibungsunterlagen konnte in diesem Kindergartenjahr nicht vollständig abgeschlossen werden. Mit Hilfe des demnächst erscheinenden "Ausschreibungs-Leitfaden" des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) soll dieser Punkt final abgeschlossen werden.

Ev. Kinderkrippe St. Markus, Regensburg

Zahlreiche Personen im Außenbereich der Kinderkrippe St. Markus
Ev. Kinderkrippe St. Markus, Regensburg
Die ev. Kinderkrippe St. Markus wurde im Januar 2013 eröffnet und liegt im Stadtwesten von Regensburg. Die Einrichtung besteht aus zwei Gruppen. In diesen werden jeweils 12 Kinder im Alter von einem halben Jahr bis zum Eintritt in den Kindergarten betreut.
Die Betreuerinnen ermutigen die Kinder zur Selbstständigkeit. Dies gilt auch für die Mahlzeiten, bei denen sich die Kinder selbst beim Trinken und Essen bedienen können. So lernen die Kinder auch, wie viel sie jeweils essen möchten.

www.markuskirche-regensburg.de/krippe.htm Externer Link

Ziele

  • Wichtigstes Ziel ist es, eine ruhige und angenehme Essatmosphäre zu schaffen. Die Krippenkinder sollen in Ruhe Essen lernen können, aber auch (un)bekannte Lebensmittel kennen und wertschätzen lernen. Daher liegt eine Herausforderung darin, Lärm und Unruhe zu reduzieren.
  • Speiseplan überprüfen und an den Standard der DGE anpassen.
  • Der Krippenalltag soll durch das Verpflegungsangebot bereichert werden. In diesem Kontext soll die Wertschätzung des Essens bei den Kindern aber auch bei den Erzieherinnen gestärkt und gefördert werden.
  • Verpflegungsleitbild schriftlich verankern.
  • Transparente Preiskalkulation für die angebotene Verpflegung erstellen.

Ergebnisse

  • Zur Reduzierung des Lärms wurden folgende Maßnahmen ergriffen:
    • Einführung von festen Sitzplätzen für die Kinder mit Hilfe von Fotos an den Stühlen
    • Veränderung der Position des Getränkebehälters
    • Strukturierung der Abräum-Situation durch die Kinder
    • Durchführung eines "Perspektiv-Wechsels" zur Sensibilisierung der Erzieherinnen für die Mittagssituation, damit das eigene Verhalten reflektiert werden kann (Perspektiv-Wechsel bedeutet, dass die Erzieherinnen die Essenssituation als Außenstehende beobachten. Diese Erfahrungen werden in der nächsten Teamsitzung besprochen und Maßnahmen für das eigene Verhalten abgeleitet.)
  • Der bereits sehr abwechslungsreiche und in 100%-Bio-Qualität gestaltete Speiseplan enthält nun einen höheren Vollkornanteil, angelehnt an die Empfehlungen der DGE. Des Weiteren werden Rezepte ausprobiert, in denen Vollkornmehle Einsatz finden, z. B. bei den hausgemachten Spätzle.
  • Die Verpflegung wurde in der Konzeption festgeschrieben, um die Eltern von Anfang an über die Ausrichtung der Einrichtung in Bezug auf Mahlzeiten zu informieren. Dazu gehört auch eine Kalkulation der Verpflegungskosten, um die Eltern bei Bedarf über diese Kosten informieren zu können. Da Krippen kein kostenfreies Obst und Gemüse durch das EU-Schulprogramm erhalten, wird in diesem Kontext auch wieder verstärkt der "Eltern-Obstkorb" reaktiviert, um hier Geld einsparen zu können.
  • Durch regelmäßig stattfindende Koch- und Backaktionen wird der Krippen-Alltag bereichert, die Wertschätzung für Lebensmittel gesteigert und die Akzeptanz von unbekannten Lebensmitteln erhöht. Um diese zu etablieren, wurden Zeiträume festgelegt, in denen die Aktionen von zwei festen Team-Mitgliedern durchgeführt werden können. Die Verknüpfung zu pädagogischen Inhalten ist dadurch hervorragend gegeben.
  • Zudem greift die Krippe zukünftig auch den Gedanken der Nachhaltigkeit vermehrt auf - bei Einkäufen wird verstärkt auf regionale und saisonale Produkte geachtet.

Ansprechpartnerin

Daniela Groß
AELF Regensburg
Lechstraße 50
93057 Regensburg
Telefon: 0941 2083-1240
Fax: 0941 2083-1200
E-Mail: poststelle@aelf-re.bayern.de

Rückblick

Teilnehmende Kitas 2017/18 in der Oberpfalz

Die Schulen wurden von September 2017 bis Juli 2018 von einer Ernährungsfachkraft individuell gecoacht. Gemeinsam mit dem Coach analysierten sie ihr Verpflegungsangebot und legten individuelle Ziele und Maßnahmen zur Verbesserung fest. Dabei wurden die Aspekte Gesundheitsförderlichkeit, Nachhaltigkeit, Wertschätzung und Wirtschaftlichkeit betrachtet.

Kindertagesstätte zum Hl. Martin, Pirk

Kita St. Martin, Pirk
Die Kindertagesstätte mit derzeit drei Gruppen betreut 75 Kindergartenkinder im Ganztag. In der Kinderkrippe kümmert sich das Team um 18 Kinder. Die Kinder sind ein bis sechs Jahre alt. Zum Personal gehören pädagogische Mitarbeiterinnen in verschiedenen Funktionen wie Leitung, pädagogische Fachkräfte und Praktikantinnen.

Kita zum Hl. Martin Externer Link

Herausforderungen

  • Umsetzung der DGE-Empfehlungen im Speiseplan
  • Hoher Anteil an regionalen Lebensmitteln im Mittagessen ist Eltern und Kindern nicht bekannt
  • Kinder kennen die Speisenanbieterin nicht
  • Personal empfindet das Mittagessen als sehr stressige und laute Zeit
  • Eltern sind wenig über die Abläufe des Mittagessens in der Kita informiert

Lösungswege

  • Speisenanbieterin setzt DGE-Empfehlungen schrittweise um
  • Regionalität der verwendeten Lebensmittel wird positiv beworben
  • Gegenseitige Besuche von Speisenanbieterin und Essenskindern
  • Kinder essen alle miteinander; Getränke bzw. Essen nehmen sich die Kinder selbstständig (stehen vorbereitet auf dem Tisch)
  • Erstellte Plakate sowie ein formuliertes Verpflegungsleitbild informieren Eltern über Abläufe des Mittagessens und Projekte

Ergebnisse

  • Empfehlungen zu dem Angebot an Fleisch- und Fischgerichten, vegetarischen Gerichten, Obst, Milchprodukten, Stärkekomponenten, Vollkornprodukten sind umgesetzt; zukünftig soll auch die Süßspeise mit einer Rohkostkomponente kombiniert werden, so dass Gemüse täglich angeboten wird
  • Kindergartenkinder haben die Speisenanbieterin bei der gemeinsamen Zubereitung von Schokopudding und Kräuterquark in der Kita kennengelernt
  • Ruhigere Essenssituation durch Umstrukturierung der Abläufe
  • Eltern sind über die regionalen Lieferanten der Speisenanbieterin sowie über die Organisation der Mittagsverpflegung und Projekte informiert

Kindertagesstätte Am Schelmengraben, Amberg

Am Schelmengraben, Amberg, Kindertagesstätte
In der Kindertagesstätte Am Schelmengraben gestalten bis zu 75 Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren und 9 pädagogische Mitarbeiterinnen gemeinsam in 3 Gruppen - aber auch gruppenübergreifend - ihren Tag. In der Kinderkrippe erleben und entdecken 12 Kinder im Alter von 1 bis 3 Jahren ihre Welt.

Kindertagesstätte Am Schelmengraben Externer Link

Herausforderungen

  • Erstellung eines gesunden, abwechslungsreichen Speiseplans nach den Empfehlungen der DGE
  • Wenig Zeit für die Betreuung der Kinder während der Mittagsmahlzeit, weil Küchenarbeiten erledigt werden müssen
  • Kleiner, enger und eher dunkler Speiseraum
  • Erstellung eines Verpflegungsleitbildes als Konsensfindung im Team und als Grundlage für die Verpflegung

Lösungswege

  • Angebot an Gemüse, Vollkornprodukten, fettreichem Seefisch, magerem Muskelfleisch und Obst wird an die Empfehlungen der DGE angepasst
  • Wöchentlicher Feedback-Speiseplan an den Caterer
  • Suche nach einer Küchenhilfe für Spülarbeiten über den Elternbrief
  • Streichen des Speiseraums sowie kinderfreundliche Gestaltung, hellere Lampen
  • Formulierung eines Verpflegungsleitbildes nach Diskussion im Team

Ergebnisse

  • Das Mittagessen enthält täglich Gemüse, mindestens zweimal pro Woche Rohkost oder Salat, mindestens einmal pro Woche ein Vollkornprodukt, z. B. Vollkornnudeln, Naturreis oder Vollkornbrot sowie mindestens die Hälfte des Fleisches in Form von magerem Muskelfleisch.
  • Der Caterer ist über die Reaktion der Kindergartenkinder auf das Mittagessen informiert.
  • Ein Verpflegungsleitbild beschreibt Organisation, gesundheitliche Aspekte, Hygienestandards, pädagogische Schwerpunkte sowie die Umsetzung des Mittagessens in der Kita.
  • Der Speiseraum ist neu gestrichen, hellere Lampen sind beauftragt und die Raupe Nimmersatt als Wanddekoration wird den Raum kinderfreundlicher gestalten.

Kath. Kindertagesstätte "Haus Johannes", Batzhausen

Kindertagesstätte Haus Johannes, Batzhausen
Die Einrichtung betreut vier Gruppen. In den drei Kindergartengruppen mit der Altersklasse von 3 bis 6 Jahren und einer Krippengruppe mit Kindern von 1 bis 3 Jahren sind ca. 85 Kinder untergebracht. Die Kinder sind tageweise unterschiedlich zum Mittagessen angemeldet. Etwa zehn Krippenkinder und etwa 30 bis 40 Kindergartenkinder nehmen am Mittagessen teil.

Kita "Haus Johannes" in Batzhausen Externer Link

Herausforderungen

  • Kombination von Tiefkühlverpflegung mit Frischküche
  • Strukturen und Abläufe der Mittagsverpflegung entzerren
  • Gesunde und abwechslungsreiche Versorgung der Kindergartenkinder nach den Empfehlungen der DGE
  • Elterninformation zum Mittagessen sowie zu Inhalten des Coachings Kitaverpflegung

Lösungswege

  • Gespräche mit dem Träger bezüglich einer Küchenhilfe
  • Überprüfung des Angebots an Stärkebeilage, fettreichem Seefisch, Vollkornnudeln und Obst entsprechend den Empfehlungen der DGE
  • Zunächst Steigerung des Angebots auf vier Portionen Gemüse pro Woche
  • Zwischenbilanz zum Coaching im Elternbrief sowie Formulierung eines Verpflegungsleitbildes

Ergebnisse

  • Eine Küchenhilfe übernimmt von Montag bis Donnerstag die Speisenzubereitung und das Anrichten der Speisen auf den Servierwägen.
  • Die Empfehlungen zu der Häufigkeit von Fleischgerichten, Seefischgerichten, vegetarischen Speisen, Süßspeisen, Stärkekomponenten, Rohkost und Salat im Speiseplan sind umgesetzt.
  • Vollkornnudeln wurden eingeführt und sollen nach Verbrauch der vorrätigen, hellen Weizennudeln ausschließlich angeboten werden.
  • Zukünftig wird verstärkt auf das Angebot an Obst und Gemüse geachtet.
  • Informationen für Eltern zu Veränderungen während des Coachings im Elternbrief
  • Verpflegungsleitbild ist erstellt und wird mit in die Konzeption aufgenommen.